Tag 15: gen Osten und zurück nach Niš

Tag 15: 30km, 1370 km gesamt

Motto des Tages: Wenn du nicht weisst wohin, geh irgendwohin und das Leben entscheidet für dich

Teil 1:

Bratislav, der Fahrraddoktor und Herzens lieber Hundeliebhaber hat mir gestern den Anhänger organisiert. Zudem hat er eine Konstruktion installiert, die jedem Ingenieur Haarausfall besorgen würde. (Zum Glück für mich ;))
Statt der eigentlichen Eckplatte, die mit einer grossen, mittigen Schraube an der Kettenstrebe sowie an Achs-Oberrohrstrebe befestigt wird, gab es nur eine zugesägte Unterlagscheibe, die in das freie Dreieck an meinem Gepäckträger gepresst wurde.
Bratislav hat mich ebenfalls bei sich übernachten lassen. Und er hat einen 5 Monate alten Hund Namens Sonny, einen Rottweiler-Mischling, der liebend gerne mit Kuku spielt. Kuku hat dagegen erst einmal einen Fladen über Nacht hinterlassen. Also ab jetzt nur noch mit offener Tür, Kuku!
Bratislav zeigt mir voller Stolz seinen Garten. Ein Gewächshaus mit fertigen Salaten, Birnen, Kirschen, Feigen und Aronia-Bäumchen.
Wiedermal begann ein Morgen, an dem ich nicht weiss, was ich tun soll.
Die ersten Versuche gestern, Kuku in den Anhänger zu setzen, sind gescheitert.Komme ich überhaupt voran? Von Miri kam der Plan mit ihr solange zu laufen, bis sie erschöpft im Hänger bleibt. … jetzt schlafe ich beim Schreiben des Blogs wieder ein…

Teil 2:

Megaaaa kompliziert. Ergebnis: ich sitze nach 13 km an einem Imbiss, an dem ein Rennradfahrer sitzt, der sagt:

„Hey, this was my carrier (Anhänger)…“

Und genau dieser Marko hat einen Freund, der Hunde züchtet und aus Griechenland einen europäischen Hundepass organisiert. 4-10 tage Wartezeit. Dann meinte ich: Okay, dann gehe ich vielleicht auf den Berg da (Trem, 1.810m) im Hintergrund. Dazu antwortet er: „You can come with me tomorrow. I was planning to hike up there with my girlfriend anyway.“

Wow. 🙂

Marko telefoniert. Und schliesslich machen wir aus, dass wir uns in Nis wieder treffen. Er fährt jetzt nach Hause mit dem Rennrad und ich bin später zum nachmittaglichen Lunch eingeladen. Ich kann über Nacht bei ihm bleiben.
Also: weiter Kuku trainieren. Reinsitzen. Festschnüren. Sie liegt und kuckt. Ich schiebe. Sie springt hinten durch das Loch hinaus. Ein lautes Nein von mir. Sie krabbelt rückwärts zurück- das ergibt ein Leckerli. Und disch und zack und hin und her. Ich gebe auf. Und sie läuft wieder auf der Strasse. Links und rechts. 52 Fastcrashs (geile Deutschvariante des Wortes Crash, was?) später reicht es mir. Ab in den Hänger mit ihr. Doppelt festgebunden.
Dann sitzt sie. Ganz plötzlich. Und bleibt sogar. Nach 5 Stunden Training haben wir ganze 30 km, davon ist Kuku 21 neben dem Hänger hergelaufen, aber ganze 7,5 km am Stück im Hänger sitzen geblieben. Als ich die Schnüre schliesslich abmache vor Markos Tür, kommt sie gar nicht erst heraus.
Ich werde mit Kuku in Markos wunderlich warmen Atmosphäre empfangen: Sonja, schwarzhaarige Englischlehrerin mit einwandfreiem, akkuraten amerikanischem Englisch, sowie Tochter Lara und Dira.
Es gibt richtiges Gemüse für mich! Eine Tomatensupper, gebratene Kartoffeln, gebackene Zwiebeln und ein Krautsalat. Wow! Ich bin so erschlagen von der Gastfreundschaft Serbiens.
Kuku kriegt 2 Knochen zum kauen und Sonja erklärt mir, wie es zum Bürgerkrieg, bzw. Zum Zerfall Jugoslawiens in Einzelstaaten kam.
Währenddessen läuft die baskische Radrundfahrt am Fernseher und wir verfolgen, wie Roglic das Ding in einem Höllenritt nach Hause fährt und sogar in einer Sportsgeist zeigenden Aktion für den Etappensieger 10 Sekunden opfert.

Teil 3:

Markos Telefon klingelt mehrmals. Mehrmals hebt er ab, schliesslich hat sein Freund bereits einen Pass bestellt. Wir machen ein Foto von Kukus Zähnen, um ihr Alter abzuschätzen und ich gehe mit der 8-jähigen Lara 2mal mit Kuku Gassi. Ich muss mitkommen. Kuku geht ohne mich nirgendwo hin.
Kuku ist allerdings ordentlich fertig und verbringt den Rest des Tages dösend.
Eventuell sind ihre jungen Pfoten doch etwas ramponiert worden. Ich weiss einfach nicht, wie weit ein Hund läuft, ohne zu jaulen.

So. Jetzt ists 12. Länger als das zu schreiben ist ungesund.

3 Kommentare zu „Tag 15: gen Osten und zurück nach Niš

  1. Hey ho, hab grad über das Radreiseforum deine Website gefunden und somit wahrscheinlich Lektüre für die nächsten Monate 😉
    Mir gefällt, dass du so viel über die Menschen die dir begegnen schreibst und ich bin mal gespannt wie lange der Hund bei dir bleibt. Scheint ja super zutraulich zu sein.
    Viel Erfolg bei deiner Tour!
    Grüße Georg (aus Berlin)

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    1. Hi Georg,
      Vielen lieben Dank! Die Menschen sind das, was zählt… leider bin ich abends viel zu müde, sonst würde ich noch viel, viel mehr über die Menschen schreiben.
      Viel Freude beim Weiterlesen

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      1. Ach, auch wenn es wirklich toll ist, wenn man von zuhause aus durch die Texte auf so eine Tour mitgenommen wird, zählt ja am Ende das, was du selbst für dich erlebst 😉
        Am Ende muss man sowas wohl mal selbst machen 😀

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