Tag 21: Pirot – Sofia (Bulgarien)

Tag 21: Pirot – Sofia, erster Teil:

Vor der Grenze steigt mein Angst Level wieder nach oben. Ich habe keinen PCR Test. Wird es klappen? Auch nach Serbien bin ich mit „nur Transit“ reingefahren. Haben die das registriert?
Die Kilometerlange Lkw-Schlange steigert die Angst noch etwas.
Derweil sitzt Kuku ganz brav bis Kilometer 30 im Anhänger. An der Grenze fragen sie schliesslich nur, wo ich hinwill: Transit to Turkey.
Ok. Kein Test, kein gar nichts. Bulgarien zeigt dich dann erst einmal als gigantische Baustelle. Direkt von der Grenze führt die einzige Strasse durch ein enges Tal Richtung Dragoman, das erste kleine Örtchen. Irgendwann wird es hier wohl eine Autobahn geben und der Fluss fliesst dann nicht mehr durch ein Rohr. Irgendwann wird das wohl Naturidylle. Jetzt aber noch nicht.
Kuku läuft nebenher und der Verkehr ist zunächst moderat. Wahrscheinlich im Takt der Grenze kommen 2 Lkws pro Minute vorbei. Das geht auch mit der links und rechts wechselnden Kuku.
Als dann etwa 8km nach der Grenze plötzlich sehr viel Gegenverkehr kommt, wird das zu gefährlich. Kuku muss in den Hänger.
Das will sie allerdings nichts.
Also gibt es die gepflasterte Nebenstrecke, die zuerst in einem Schlammloch endet… zum Glück aber weitergeht.
Hinter Dragoman führt mich mapy.cz auf eine Parallelstrasse. Die besteht allerdings auch nur aus Baustelle. Na gut. Kuku springt schliesslich doch in den Hänger und 1km hinter Dragoman verwandelt sich die Hauptstrasse plötzlich in eine Autobahn. Dazu geht es leicht abwärts. So komme ich weitere 30km sehr flott voran.
In Bozhirishte – ein Vorort Sofias finde ich eine Bank und daneben einen Imbiss, der von Pizza Italia spricht. Drinnen liegen allerdings verschiedene Leckereien in der Auslage.
Ich frage „vegetarijan?“ Und bekomme Kartoffeln, gebratenes Gemüse, Käuterquark und eine mit Käse überbackene Aubergine.
Der Chef spricht nur bugarisch oder spanisch. Südamerika?
Ohne Internet weiss ich gar nicht wieviel 1 BGN wert ist. Wohl etwa 50 Eurocent ergeben 1 BGN. Nach den riesigen Zahlen in Serbien werden es jetzt wohl kleinere.

Fortsetzung 21:
In Bezhurishte finde ich noch eine Prepaidkarte. Die muss hier samt Reisepass registriert werden. Die Unterschrift, die sie am Ende haben will, kriegt sie nicht. Keine Ahnung, was auf dem Zettel steht.
Dann habe ich plötzlich wieder Internet und ich merke, wie sich süchtige Teil in mir beruhigt, entspannt. Das Verbundensein mit dem Internet ist ein ständiger Informationsfluss, ein ständiges sich-nicht-mit -sich-selbst oder der Situation auseinander setzen. Es zerrt mich sonstwohin gedanklich. Ich merke, wie ich teilweise mich selbst verloren habe. Fühle Traurigkeit und Wut darüber, weil ich merke, dass ich ohne gar nicht so leicht kann.
Deshalb schicke ich jetzt nur noch diesen Bericht ab und gehe dann mal ein paar Tage auf Tauchstation. Mal schauen, was das mit mir macht.

Von Bezhurishte beginnt dann eine der 100 Zufahrtstrassen in die bulgarische Hauptstadt. Der Verkehr staut sich. An einem Bahnübergang sehe ich einen Rennradfahrer hinter mir – der erste Radfahrer in Belgien überhaupt.
Von sandigen Vororten geht es in industrielle Zonen bis hin zu Einkaufszentren ukd plötzlich vor allem Menschen. Dunkle, helle, grosse kleine, vor allem Menschen, die nicht arbeiten. Die nicht auf dem Feld mit der Hacke stehen, sondern sich in Kaufläden und Cafes vergnügen. Diese Stadt beherbergt offensichtlich ganz andere Gehälter und Lebenssituationen als nur 8km weit draussen auf dem Feld.
Ich schiebe das Rad und Kuku an der Leine durch die Fussgängerzone. Kuku dreht vollkommen hohl und springt von links nach rechts. Ich stelle mir vor, wie die Millionen Gerüche sich für sie wie eine Regenbogenfahrt im Mariuhanaland anfühlen müssen: überall explodieren Farbtöpfe in allen Facetten.
Schliesslich komme ich bei Yana an, auch von warmshowers. Ich hatte bereits seit 10 Tagen Kontakt, weil ich ursprünglich vor einer Woche in Sofia sein wollte. Der Hänger kommt ins Erdgeschoss, das Fahrrad mit in den zweiten Stock ins Wohnzimmer. Neben ihre „Reisemaschine“, zu der sie mir später noch erzählen will.
Sie kam erst gestern von einer digitalen Kunstausstellung von Plovdiv zurück und sagt, dass sie sehr müde ist.
Dennoch erzählen wir Geschichten und gehen einkaufen, um was zu Abend zu kochen.
An der Kasse erklärt der Kassierer mir, dass „Badishta sliv“ sowas wie „I wish you happiness“ heisst.
Wir kaufen in einem Billa ein. Lidl gibt es hier auch.
„The government didnt manage to build up their own companies. So we ended up being overtaken by german and austrian supermarkets.“
Es gibt Salat und Nudeln mit Tomatensosse. Während dem Kochen kommen noch Nona und ihr Freund und Yanas Mitbewohner Deljan, die ebenfalls eingekauft haben und die gleiche Kochidee hatten.
Wir kochen gemeinsam, später kommt noch Kiki – wo wir dann Kiki und Kuku haben.
Yana erzählt, wie sie mit einem 100€ Fahrrad von Alaska bis nach Patagonien gefahren ist. Rahmenbrüche, alle Anbauteile seien zusammengestückelt mittlerweile. Vor allem aber sei sie bis zu der Tour gar nie Fahrrad gefahren.
Zum Ende des Abends lerne ich schliesslich den ersten Volkstanz, keine Ahnung wie der genau heisst. Den gibt es am Ende für den Sebastian :).

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