Tag 26: Kalofer – Shipka Pass – Dryanovo

Distanz: 89km

Habe gestern Abend im Zelt noch mit verschiedenen Leuten telefoniert. Es ist absurd, wie gut ich über whatsapp mitten im Nichts telefomieren kann. Ich kann es kaum bewerten und entscheiden, wie ich das finde.
Ein wichtiges Gespräch mit Leo ergab, dass ich viel, viel vorsichtiger mit QQs Beinen/Körper sein sollte.
In der Mongolei ist ein Strassenhund einem Marathonläufer über ein 6 Tagesrennen 4 Tage jeweils 20km gefolgt. Er war so berührt, dass er den Hund mit nach England nahm. Dort wurde festgestellt, dass er sich die Hüfte kaputt gelaufen hatte. Kennt Kuku ihre Grenzen? Wahrscheinlich nicht. Gestern ist sie etwa 33km gelaufen. Das ist wahrscheinlich zu viel. Ich werde ab jetzt sehr darauf achten, sie viel mehr in den Hänger zu setzen.
Die Nacht ging bis an den Gefrierpunkt. Ich bin Stolz auf meine Ausrüstungswahl. Mit einem Schlafsack, der Komfort 6 Grad angibt, habe ich bei 0 Grad noch Komfort.
Heute geht es über einen 1.200m hohen Pass. Der Himmel ist vollkommen blau. Die Berge im Hintergrund sind leider von hier aus 15km entfernt. Evtl. gibt es auf dem Pass noch eine kleine Expedition.

Der Tag der Wetterkapriolen.
Zunächst starker, enger Lkw verkehr bis zum Abzweig Richtung Shipka – einer Nebenstrasse, die leicht nach Nordosten führt. Hier treffe ich auf eine spanische Dame und Rodrigo, einen Brasilianer, die mit ihrem Van 1 Jahr unterwegs sind. Sie stehen neben der Strasse auf einer Wiese und ich halte mitten auf der Strasse an.
So froh, endlich richtige Reisende zu treffen, rede ich sie einfach an, obwohl sie kurz zuvor noch im Bett lagen.
Sie waren in Italien und Griechenland – gerade nach Griechenland sei es einfach. Hier kann man den Pcr-Test such kostenfrei an der Grenze machen. Mit diesen ganz neuen Infos überlege ich, einen Abstecher nach Griechenland zu machen.
Die beiden laden mich in ihren Van auf eine kurze Jause ein.
Gut, denn die fast flachen 8km bis Shipka erweisen sich als fast unerreichbare Wand. Der Wind bläst urplötzlich mit aller Gewalt aus Norden. Ich lasse Kuku aus dem Hänger, weil ich nur mit 10kmh vorankomme.
In Shipka suche ich ein Restaurant und gönne mir einen Salat und eine Gemüsepfanne. Mit 2 Getränken 7,50€.
Als ich mich für den Pass vorbereite, ziehe ich das erste Mal auf der Tour meine kurze Hose und radle im Shirt los. Nach der ersten 90 Grad Kurve beginnt ein bösartig starker Wind. Ich begrüsse ihn mit einem Kampfschrei:

„Show me all you’ve got!“

Oh ja. Das macht die Wolke dann auch und verwandelt den Wind in einen immer stärker werdenden Regen, bis dieser sich in Hagelmatsch verwandelt.
Regenjacke lohnt sich am Pass nicht, also lasse ich mich komplett nassregnen.
650hm auf 13km. Mapy.cz zeigte mir unten an, dass hierbei nochmal 200hm extra, wegen Gegenanstiegen anstehen. Zum Glück hatte die App unrecht. Oben ist auch Kuku langsam ausgelaugt. Sie hat schon wieder 21km in den Beinen. Zwar sehr langsam, doch wieder ist es viel. Wir heizen bis nach Gabrovo hinab 15km seichte Abfahrt und noch ein paar flache Kilometer.
Ich esse 2 Pizzen, während Kuku vollkommen müde daliegt und reflexartig bei Tauben aufspringt, um diese zu erreichen. Man sieht ihr allerdings an, dass sie nicht mehr so schnell ist.
Dann kommen 2 Strassenhunde. Ein junger und ein alter.
Kuku spielt mit dem jungen, bis dieser wieder versucht, sie zu decken. Dann muss ich einspringen.
Es geht noch einmal 19km weiter, mit erneuten 200hm Anstieg. Am Ende fahre ich von der Hauptstrasse, die oberhalb einer gigantischen Schluchg verläuft, rechts, um gutgläubig einem geöffneten Campingplatz entgegen zu fahren.
Nichts da. Absolut tote Hose.
Ich schiebe das Rad weiter bis zum Eingang des Sightseeing Spots hier: die Bacho Kiro Höhle.
Es wird schon dunkel. Den Hügel zur Hauptstrasse schaffe ich jetzt nicht mehr hoch.
Ich suche nach einer 4 qm grossen Wiesenfläche. Nichts da.
Na gut. Dann direkt auf die Brücke am reissenden Bach mit der Höhle.
Der Nachteil eines Flusses ist: es wird kühl und durch die Schlucht gibt es definitiv keine Morgensonne.
Der Vorteil eines Flusses ist: es wird für gewöhnlich nicht kälter als 5 Grad. Zudem sinkt hier meist keine Feuchtigkeit herab.
Schauen wir mal, ob meine Erfahrungswerte richtig sind.

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