Tag 29: Vetrintsi – Veliko Tarnovo

Distanz: 25km
Fliegende Füsse und eine lebendige Stadt

Die Jungs fahren mit Bobo und Coco zu einem Fussballspiel, Miro geht bald wieder aufs Dach um die Dachkonstruktion abzubauen – Sparren, Pfetten – wie heisst denn das nur auf englisch?
Ich bringe mit Silviya die vielen Tomaten und Paprikapflänzchen in den Garten.
Dann setzen wir uns einmal 10 Minuten vor das Haus, um die Spatzen zu zählen. Als sie mir gestern davon erzählt hat, habe ich es für ein Ritual gehalten. Jetzt erklärt sie mir, dass es für eine Naturschutzorganisation ist.
Also erklärt sie mir erst einmal die Unterschiede zwischen 3 Spatzenarten. Auf die schwarzen oder weissen Bäckchen ist zu achten.
Wir sehen allerdings nur einen Spatz.
Diese Beobachtubg wiederholen wir im Gemeinschaftsgarten. Dort sind es ein paar mehr – wie einigen uns auf 9 Spatzen insgesamt. Kuku gräbt derweil wieder Löcher.
Beim Mittagessen eröffne ich, dass ich am Sonntagmorgen fahren möchte – zu dem Zeitpunkt weiss ich allerdings noch nichts von Nicolas deutlicher Einladung für eine Ausstellung heute Abend in Veliko Tarnovo.
Also übe ich mit Kuku Hänger einsteigen, Hänger aussteigen, verbinde das Einsteigen mit einem Knackgeräusch und einem Leckerli.
Das Einsteigen klappt – leider steigt sie teilweise noch ohne Befehl aus.
Silviya erzählt, dass sie um 3 zu einer bulgarischen Tanzgruppe geht. Wegen Sebastians Auftrag frage ich sofort, ob ich da mitmachen kann.
Ich mache mich als einziger Mann unter 5 Frauen zum Affen.
Dann kommt die Nachricht von Nikolas, dass um 7 eine Ausstellung beginnt, zu der ich kommen sollte.
Also packe ich all die Sachen und mache mich auf von der Ruhe in eine riesig enegetisch-chaotische Stadt mit alkoholisierten Menschen.
Sachen bei Nicolas abstellen und 90 Höhenmeter abwärts in eine gewundene Stadt. Die Ausstellung erweist sich als ein einziges Bild, das in eine Fassade eingelassen ist. Darum – auf beiden Strassenseiten trinkende, junge Menschen. Wuah. In mir dreht sich alles vor überbordenden Gefühlen – der dicke, stille am Rand, den ich retten will, die angemalte, junge Frau mit viel zu grossem Ausschnitt, die mich völlig verwirrt, die plötzlich im 6er Pack gemischt auftauchenden, deutsch sprechenden Leute, mit denen ich mich kurze Zeit später im Restaurant „Ritsch“ befindd und mit Paul über den bayerischen Dialekt rede. Und dann die Fragen.
Ist das dein Hund?
Oh, sie sieht jung aus, wie alt ist die denn?
Du bist von Deutschland mit dem Fahrrad hergefahren?
Wie lange hast du gebraucht?
Wo hast du übernachtet?
Wie gefällt dir Bulgarien?

Ich sehe mich plötzlich in Ragall im Vorarlberg sitzen. Abihütte 2009, zu der ich auch mit dem Fahrrad hingefahren bin. Diese Art, Dinge zu tun, scheint so weit entfernt zu sein für manche andere Menschen.
Irgendwann fange ich an zu erzählen, dass mich ein Bär in Mexico angegriffen hat. Da kam Kuku mit einem Fallschirm herabgeflogen, um mich zu retten, leider hat sie sich dabe verletzt.

Ich sitze in der kühlen Luft, die wellige Stadt hinter mir in Bulgarien und diskutiere auf deutsch über Politik.
Dieses Land hat eine Generation über 45 jährige, die vollkommen russisch geprägt sind. Die jüngeren sind eine Mischung aus einigem…
Spät höre ich eine Sprachnachricht von Miri ab, die mich sehr freut und ich bleibe noch lange wach, um dem nachzuspüren.

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