Tag 32: Edirne – Lüleburgaz

Distanz: 77km – und die richtig hart!

Ich wache übermüdet auf. Konnte nicht schlafen, weil in der ganzen Stadt von 2 uhr bis etwa 4 Uhr getrommelt wurde. Was soll die Scheisse? Dachte ich mir. War wütend. Vor allem ist Kuku die ganze Zeit von links nach rechts gerannt und konnte auch nicht schlafen. Später soll ich erfahren, dass das normal ist im Monar Ramadan. Nur zu dieser Zeit darf man essen. Hach, wie unerfahren ich dich bin. Somit akzeptiere ich das und verstehe es als Teil der Kultur.
Das Frühstück in dem Hotel ist sehr spärlich und einer der beiden Käsesorten ungeniessbar. So beginnt wieder ein hungriger Morgen, bei dem ich mir in jedem Ort etwas zu Essen verspreche.
Ich fahre auf der D100, weil mir die 20km Mehrstrecke doch etwas zu viel sind und peile zunächst Tekirdag an. Während des Tages bin ich allerdings vollkommen erschöpft und reduziere mein Ziel deutlich. (Tekirdag wären 135km gewesen)
Hier ist es zwar nur maximal 175m ü NN, dazu aber immer wieder kurze, knackige Anstiege. Das dumme ist jetzt, dass ich auf der Schnellstrasse bin. Hier kann ich Kuku nicht aus dem Hänger lassen. Also muss ich sie bei kurzen 7% auch im Hänger lassen. Ohne sie war das ganz passabel machbar. Mit ihr im Anhänger fühle ich mich wie eine Schnecke, die am Boden kleben bleibt. Nach 25km bin ich so am Ende, dass ich den Versuch wage, mit hochgestrecktem Daumen am Strassenrand zu stehen. Es ist Corona. Und gestern hat Erdogan einen harten Lockdown angekündigt. Und ich stehe mit Fahrrad, Anhänger und Hund am Strassenrand. Ich versetze mich in die Grundhaltung beim Trampen: wer anhalten will, hält auch an.
Das Ergebnis ist nach 30 Minuten, dass ich wild hoffend bei einem blauen Wagen, der auf mich zurollt, den Daumen hochhalte. Auf dem Wagen steht „Jandarma“. Hach schalte ich langsam.
In defensiver Haltung erkläre ich, was ich mache. Habe Angst bestraft zu werden und noch viel mehr: dass mein Pass kontrolliert wird und herauskommt, dass ich mich spätestens in 4 Stunden in Quarantäne befinden sollte. Genau aus diesem Grund habe ich ja angefangen, zu trampen.
Sie sind ganz nett.
„Not easy“ kommt als Kommentar zu meiner Reise.
Sie erklären mir, dass Autostoppen wegen Corona verboten ist. Ok.
Somit baue ich den Anhänger wieder auf, Kuku wieder rein und los gehts…
In Babaeski treffe ich auf Süleyman, der passables Deutsch spricht. Hier lerne ich noch einmal ein paar türkische Worte. Neben den Zahlen, bitte, danke und guten Tag kann ich dann auch noch „çok ta tl“ oder so: sie ist süss.

Es gibt mit Käse belegte Iskender Stücke, Salat und Ayran. Kuku sitzt draussen, Fahrrad nicht abgesperrt, Habdy und Geldbeutel auf dem Tisch. So schlafe ich vor Übermüdung am Tisch ein.
Süleyman weckt mich, ich bezahle ihm 25 Lira für das Mittagessen.

Nach dieser Erholung fühlen sich die 25km nach Lüleburgaz viel leichter an.

Als ich dort ankomme, schlafe ich sofort ein.

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